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Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM

Test, Review, Erfahrungsbericht

2021 © Thomas Gade


Canon EOS R5 mit EF/RF Adapter am Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM Telezoom

Das Canon EF 100-400mm 1:4.5-5.6 L IS USM wurde 1998 vorgestellt und glänzte mit seiner robusten Bauweise, einem sehr guten Autofokus und Bildstabilisierung. Diese Eigenschaften kamen anfangs noch den analogen Fotografen zugute, die von ihrem Umstieg in die digitale Technik nur wenige Jahre später noch nichts ahnten. Konzeptionell stammte dieses Objektiv also noch aus der Ära der Kleinbild-Spiegelreflexkameras und konnte sich an den späteren digitalen Kameras behaupten. Erst 16 Jahre nach Einführung der ersten Version folgte (2014) ein überarbeitetes Modell.

An sich machte es nicht viel Sinn, knapp ein Vierteljahrhundert nach seiner Einführung eine zusätzliche Rezension zu schreiben. Es gab bereits genügend. Dass Canon immer noch vom Original überzeugt war, ließ sich für mich daran erkennen, dass es mir im Jahre 2021 von Canon in ein Paket mit Leihgeräten zum Testen aktueller Systemkameras mit hoher Auflösung beigelegt wurde. Die Gehäuse zum Testen waren die Canon EOS M6 II (APS-C mit 32 MP) und Canon EOS R5 (Vollformat mit 45 MP). Es interessierte mich durchaus, ob der Oldie die hochauflösenden Sensoren noch bedienen konnte oder ihnen mit einer ev. veralteten Optik gar nicht mehr gewachsen war.

Leider war das Wetter im dreiwöchigen Testzeitraum überweigend mies, sodaß die beabsichtigten Ausfläge aufs Land zum Fotografieren von Störchen oder allgemein nette Frühlingsaufnahmen nicht zustande kamen. ich beschränkte mich auf Tests mit 400 mm Brennweite von meinem Balkon mit Blick auf einige brauchbare Motive.


Canon EOS M6 II, EF/EF-M Adapter, Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM
Der Tubus des Schiebezooms wird zum Verlängern der Brennweite auseinandergezogen.
Mit 2,07 kg Gewicht ist dies keine leichte Kombination.

Technische Daten

Hersteller Canon
Bezeichnung Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM
Markteinführung 2014
Preis gebraucht ca. 800 € (Version Mark II neu 2100 € / Mai 2021)
Zubehör Sonnenblende und gepolsterter Köcher
Brennweite 100 bis 400 mm
Bildstabilisierung Ja
Blende 4,5-5,6 bis 32-38
Naheinstellgrenze 0,98 m
Gewicht 1.484 kg - Tubus und Stativschelle
1.570 kg mit Stativadapter (117 g) und Sonnenblende (84 g)
  2,430 kg mit Sonnenblende an betriebsbereiter Canon EOS R5
Filterdurchmesser 77 mm
Format Vollformat

Bildstabilisierung

 

Fokus Limiter, Umschalter zwischem Autofokus und manueller Fokussierung, An- und Ausschalter für den Bildstabilisator, Modus 1 und 2 für den Bildstabilisator. Auf dem Bild ist das Telezoom mit einem EF/EF-m Adapter an eine Canon EOS M6 II montiert.

Der Modus 1 reduziert das Zittern in vertikale und horizontale Richtungen, während Modus 2 nur senkrechte Bewegungen ausgleicht und waagerechte Schwenkrichtungen (mitziehen) nicht beachtet.

Die Bildstabilisierung dieses Tele-Zoomobjektivs arbeitet gut. Sie ermöglicht auch bei längster Brennweiteneinstellung Aufnahmen aus freier Hand. Das bedeute natürlich nicht, dass jede Aufnahme gelingt. In der Praxis sollte man die Belichtungszeiten beim Verzicht auf ein Stativ so kurz wie möglich halten, um eine möglichst hohe Trefferquote zu erreichen. Am besten probiert man mit seiner Kamera aus, wie hoch der ISO-Wert ohne eine störende Reduzierung der Bildqualität eingestellt werden kann und arbeitet damit.

Zwei Versionen

Das Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM Schiebezoom wurde 1998 eingeführt. 1999 erhielt es vom fotoMAGAZIN fünf Sterne und das Prädikat Super. 2014 erschien der Nachfolger Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS II USM.

Canon 4.5-5.6L IS USM Erste Version Mark II
Format max. Vollformat max. Vollformat
Bildstabilisierung Ja Ja
Ultrasonic Motor Ja Ja
L-Serie Ja Ja
Wetterschutz Nein Ja
Zoom Schiebezoom Drehzoom
Blenden 4.5–5.6 bis 32-38 4.5–5.6 bis 32-40
Blendenlamellen 8 9
Nahdistanz 1.8 m 0.98 m
max. Abbildungsmaßstab 0.2× 0.31×
Gewicht (nur Tubus) 1380 g 1570 g
max. Durchmesser 92 mm / 3.6" 94 mm / 3.7"
Länge 189 mm / 7.4" 193 mm / 7.6"
Filtergewinde 77 mm 77 mm
Sonnenblende ET 83C ET 83D
Tasche LZ1324 LZ1326
Markteinführung September 1998 November 2014
Preis gebraucht 800 € 2100 €


Canon Zoom Lens EF 100-400mm 1:4.5-5.6 L IS Ultrasonic an einer Canon EOS M6 II.

Die Canon EOS M6 II hat ein EOS-M Bajonett. Das Canon EF 100-400mm 1:4.5-5.6 L IS Ultrasonic muss daher adaptiert werden. Dank rein elektronischer Kommunikation und Stromversorgung zwischen Gehäuse und Objektiv ist das kein Nachteil. Alles funktioniert genauso wie am EF Anschluss. Die Kombination aus dem fetten Klotz an dem zierlichen Gehäuse wirkt irgendwie unpassend. Hier scheinen die Proportionen nicht zu stimmen. Wenn man sich schon ein kleines und leichtes APS-C Gehäuse zulegt, sollte sich das bei der Wahl der Objektive fortsetzen, um die Vorteile einer nur gering belastenden, mobilen Kamera nicht aufzugeben. Wer das Telezoom bereits hat und sich die EOS M6 II erst später zulegt, soll natürlich auch ihr gemeinsames Potential nutzen.

Test: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM an einer Canon EOS M6 II

Zahlreiche Testberichte bescheinigen beiden Versionen exzellente Abbildungsleistungen am Vollformat sowie auch an älteren APS-C Sensoren. Kann dieses Telezoom aber auch einen Sensor mit den Abmessungen 22,5 x 15,0 mm mit 32 Millionen Pixel ausreichend bedienen? Falls ja, geht noch mehr mit einem Telekonverter?

Ausprobieren konnte ich das nur mit der ersten Version. Das Objektiv wurde für das Vollformat entwickelt. Kleinbildäquivalent entspricht es am APS-C Sensor der EOS M6 II (22,5 x 15,0 mm / Cropfaktor 1,6) einem 160-640 mm Zoom. In dieser Dimension wird die Schärfe und Detailauflösung ab einigen Zig Metern vom Flimmern der Luft und Dunst beeinträchtigt. Bei relativ kurzen Distanzen zu den Motiven trifft das weniger stark zu als bei Fernaufnahmen. Bereits ein Storchenhorst auf dem Dach eines Bauernhauses auf der anderen Straßenseite kann bei ungünstigen Sichtbedingungen und längeren Brennweiten nicht mehr knackscharf abzubilden sein.

Als Testmotiv wurde eine ca. 140 m entfernte Kirchturmspitze mit Dachziegeln und einer umlaufenden Brüstung aufgenommen. Das Objektiv war auf ein schweres Stativ von Linhof montiert, das hinsichtlich seiner Stabilität kaum zu toppen war.

Fotografiert wurde mit Blende 5,6 und 8, ISO-Werten zwischen 200 bis 1600 und 400 mm Brennweite. Vergleichsweise wurden Fotos mit dem EF 2x Extender III bei 400 mm Einstellung am Objektiv aufgenommen. Die effektive Brennweite verlängerte sich auf 800 mm, während der Blendenwert mit 2x Extender 11 oder 16 betrug. Es war leicht bewölkt mit gelegentlichem Sonnenschein und die Luft flimmerte etwas.

Die Testfotos wurden teilweise mit und ohne aktivierten Bildstabilisator am Objektiv aufgenommen. Durch den festen Stand auf dem schweren Stativ, dem unbeweglichen Motiv und den verhältnismäßig kurzen Belichtungszeiten hatte der Bildstabilisator keinen Einfluss auf die Bildqualität.



Links: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM auf 400 mm eingestellt. ISO 400, Blende 8
Rechts: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM auf 400 mm mit EF 2x Extender. ISO 400, effektive Blende 11


400mm Brennweite ohne Telekonverter

400mm Brennweite mit 2x Extender

Vergleich kleiner Ausschnitte:
Links: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM auf 400 mm ohne 2x Extender.
Auf doppelte Größe interpoliert, um eine gleichgroße Darstellung wie mit dem Telekonverter zu kommen.
Rechts: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM auf 400 mm mit 2x Extender


Erste Erkenntnis: Die Optik reicht für den APS-C / 32 MP Sensor aus. Die Abbildungsqualität ist tadellos.

Zweite Erkenntnis: Allerdings bringt der EF 2x Extender III nichts mehr. Die Ausschnitte zeigen, dass der 2x Telekonverter in der Kombination keine höhere Detailauflösung bringt. Im Gegenteil, der interpolierte Ausschnit aus dem Foto ohne 2x Extender ist schärfer und detailreicher.

Überraschenderweise wird mit oder ohne Extender nur jedes dritte Bild richtig scharf. Die leichte Unschärfe der anderen scheint nicht nur vom Flimmern herzurühren, sondern auch vom Autofokus, der hier offensichtlich seine Leistungsgrenze erreicht. Zu sehen ist diese Unschärfe erst beim Pixel Peeping. Allerdings beeinträchtigt sie die Möglichkeit, die hohe Pixelanzahl für kleine Ausschnitte mit immer noch hoher Detailauflösung nutzen zu können. Sicherheitshalber sollte man deshalb immer mehrere Aufnahmen machen, um die schärfsten auszuwählen.

Für APS-C mit 32 MP: Telekonverter brauchbar nur zum Filmen

Es macht deshalb keinen Sinn, fotografisch am APS-C Sensor mit 32 MP einen Telekonverter zu verwenden. Ein Ausschnitt aus der Bilddatei ohne Telekonverter liefert mehr Details.

Anders kann das Urteil von Filmemachern ausfallen. Ihre Bilder haben eine geringere Auflösung und normalerweise wird das Filmmaterial in der Auflösung verwendet, wie es aus der Kamera kommt. Ausschnittsvergrößerungen wären zwar auch möglich, sind aber aufwendig und unüblich in der Produktion von Videos. Das 4K Format hat bei dieser Kamera 3.840 x 2.160 Pixel, also 8,3 Millionen Pixel. Solche Bilder liefern noch gar nicht die nötige Auflösung, um die Schwächen beim Einsatz von Telekonvertern festzustellen.

Canon EOS R5 mit dem Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM


Der teleskopartig auseinanderziehbare Tubus ist bei 400 mm ziemlich lang.

Die Canon EOS R5 hat 45 Millionen Pixel auf dem Vollformat Sensor. Hier musste das Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM ebenfalls mithilfe eines (EF / RF) Adapters angeschlossen werden. Es funktionierte wie am EF Anschluss. Ich konnte keine Einschränkungen durch die Adaptierung erkennen. Optisch war es vom 45 MP Sensor nicht überfordert. Aber wie schon an der EOS M6 II machte der 2x Telekonverter (RF 2x Extender) keinen Sinn mehr.

RF 800mm F11 IS STM versus EF 100-400mm mit EF 2x Extender III


Testmotiv. Teil vom Kraftwerk Moabit in Berlin

Zwei Ausschnitte zeigen den Unterschied. Das RF 800mm hat die feste Blende 11. Beim Canon EF 100-400mm plus EF 2x Extender III wurde mit Blende 6,7 ( effektiv lt. Exif 13) fotografiert. Um Fehleinschätzungen durch das variable Flimmern auszuschließen, wurden jeweils mehrere Aufnahmen gemacht und die beiden schärfsten ausgewählt.



Canon EF 100-400mm IS USM mit EF 2x Extender III
effektive Blende 13


Canon RF 800mm IS STM

Eindeutig bietet das Canon RF 800mm IS STM eine höhere Abbildungsqualität als die Kombination aus dem (alten) Canon EF 100-400mm USM und EF 2x Extender III. Kommt es vor allem auf die lange Brennweite an, ist das RF 800mm mit 1,260kg Gewicht auch bedeutend leichter als der EF/RF Adapter mit dem Canon 100-400mm Zoom und dem EF 2x Extender III. Mit der ersten Version des Canon 100-400mm Zooms wiegt die gesamte Optik mit Adapter 1,830 kg und mit der neuen ca. 2,020 kg. Die Differenz ist auf jeden Fall spürbar.


Canon RF 800 F11 IS STM, darunter eine Canon EOS R5 mit Adapter, EF 2x Extender III und EF 100-400mm IS USM


Test an Fahnenmasten auf einem 550 Meter entfernten Gebäude, 400 mm Brennweite


An Canon R5 (Vollformat / 45 MP) ISO 1600
Blende 8, 400 mm

Sehr gute Auflösung

Siehe: Vergleich verschiedener Teleobjektive

Ziemlich schwer für die freihändige Nutzung

Auch wenn die Technik die freihändige Nutzung erlaubt, muss man die Kamera mit dem Zoomobjektiv erst einmal sicher halten können. Mitsamt der leichten Canon EOS M6 II, dem EF/EF-M Adapter und Sonnenblende hat man etwas über 2,1 kg zu stemmen. Mit dem aktuellen Modell dieses Telezooms erhöht sich das Gesamtgewicht sogar auf 2,3 kg. Entweder nutzt man dann ein Stativ oder sucht eine leichtere Alternative.

Alternativen

Tamron 100-400mm F/4.5-6.3 Di VC USD

Markteinführung: 2017. Preis ca. 600 €. Kürzeste Einstellentfernung:  1,5m. Mit Bildstabilisator. Gewicht:  1,135 kg.

Sigma 100-400mm F5-6,3 DG OS HSM Contemporary

Markteinführung: 2017. Preis: ca. 800 €. Kürzeste Einstellentfernung:  1,6m. Gewicht: 1,160 kg. Mit Bildstabilisator. Keine Stativschelle im Lieferumfang.

In Tests von Fotozeitschriften oder im Internet schneiden beide gut bis sehr gut ab. Den beiden Canon 100-400mm IS USM Versionen wird allerdings ein besserer und treffsicherer Autofokus bescheinigt, vor allem bei wenig Licht. Auch sind sie hochwertiger gebaut und sollen einen Tick schärfer sein. Sigma und Tamron punkten mit geringerem Gewicht und sind jeweils für etwa einem Drittel des Canon-Preises zu haben.

Wenn der hohe Preis für das aktuelle Telezoom von Canon problematisch ist und weniger die Gewichtserparnis, ist die Suche nach einer gut erhaltenen ersten Version aus zweiter Hand sinnvoll. Es ist derzeit für ca. 700 bis 1000 € zu haben.

Fazit

Das Canon EF 100-400mm 1:4.5-5.6 L IS USM ist ein bewährtes und exzellentes Telezoom. Neben seiner soliden, für Profis gemachten Bauweise und anderen Vorzügen kann man als Nachteile den verhältnismäßig hohen Preis und das hohe Gewicht aufführen. Die erste Version ist zudem als Schiebezoom konzipiert. Um seine Brennweiten zu verlängern, muss der teleskopartig gebaute Tubus auseinandergezogen werden. Das ist gewöhnungsbedürftig und kommt bei vielen Fotografen nicht so gut an.

Canon hat die zweite Version, EF 100-400mm 1:4.5-5.6 L IS II USM, wohl deshalb mit einem großen Zoomring zum Drehen ausgestattet. Erstaunlicherweise ist es knapp 200 g schwerer als das Original. Dieses Mehr an Gewicht macht sich beim Schleppen und bei der freihändigen Bedienung bemerkbar.

Subjektiver persönlicher Eindruck:

Dieses Objektiv konnte mich aufgrund seines hohen Preises, wegen des Schiebezooms und wegen seines hohen Gewichts nie richtig begeistern. Andere Fotografen in meiner Umgebung schätzten dieses Zoomobjektiv jedoch sehr.

Alternativ würde ich eher zu einem anständigen, leichten, kleineren und günstigeren 70-300mm Telezoom optieren, beispielsweise zum Canon EF 70-300/4,0-5,6 L IS USM für etwa 1000 € weniger und nicht einmal halb so schwer. Dritthersteller haben für den Brennweitenbereich auch attraktive Angebote.

Die 32 Million Pixel einer EOS M6 II (APS-C) ermöglichen die Überbrückung der letzten 100 mm Brennweite durch entsprechende Bildausschnitte.

Für die Canon EOS R5 wäre ebenfalls das Canon EF 70-300/4,0-5,6 L IS USM geeignet und als lange Brennweite käme das RF 600mm F11 IS STM hinzu.


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