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Komet Neowise / C2020 F3

2020 © Thomas Gade

Am 27 März 2020 entdeckt das Wide-Field Infrared Survey Explorer (WISE) Weltraumteleskop den  Kometen C/2020 F3, umgangssprachlich Neowise. Der rund 5 km durchmessende Brocken stürzt aus den Tiefen des Alls in Richtung Sonne.

Am 3. Juli 2020 ist er ihr am nächsten. Innerhalb der Umlaufbahn des sonnennächsten Planeten Merkur schrammt er gerade so an der Sonne vorbei und wird von ihrer Anziehungskraft hart aus seiner Bahn abgelenkt, um fast in seine Ausgangsrichtung zurückgeschleudert zu werden. Ein kosmisches Billardspiel, wobei die Kugel (Komet) die Bande (Sonne) nie berühren darf, um nicht zu verglühen.

Im Juli 2020 wird Neowise zum Highlight für Hobbyastronomen, weil er bei guten Lichtverhältnissen mit bloßem Auge sichtbar ist und sich mit einem guten Fernglas leicht beobachten lässt. Nachthimmelfotografen, die sich der funkelnden Milchstraße über nächtlichen Landschaften verschrieben haben und dabei immer buntere Ergebnisse präsentieren, nehmen den Kometen dankbar als zusätzliches Element an. Die fließende Grenze zwischen seriöser Astrofotografie und Selbstinszenierung mit LED-Stirnlampe neben einem kleinen, von innen beleuchteten Iglozelt unter einem funkelnden Nachthimmel wird durch die Möglichkeiten der digitalen Bildmanipulation oft weit in Richtung Kitsch überschritten. Aber im Internet sind auch sehr schöne Bilder zu finden, die den Kern des Kometen und seinen gefächerten Schweif ohne Beiwerk darstellen.



23. 7. 2020. Komet Neowise. Mitten in Berlin aufgenommen bei stark aufgehelltem Himmel durch die innerstädtischen Lichter. Trotz ungünstiger Sichtbedingungen ist der Komet Neowise ein lohnendes Objekt. Kamera: Pentax K3-II mit Pentax K 1.8/55mm Objektiv. Einstellt auf Blende 4. Ergebnis aus mehreren gestackten Fotos.

Lange Belichtungszeiten dank Pentax Astrotracer

Die integrierte Astrotracer Funktion der Pentax K3-II unterstützt Belichtungszeiten bis 300 sec. (abhängig von der Brennweite und Ausrichtung auf den Himmel) ohne Bildung der gekrümmten Sternspuren. Von jeder Einstellung werden mehrere Fotos aufgenommen, um sie mit einem Astroprogramm stacken zu können.


Die Pentax K3-II enthält ein GPS-Modul und die Astrotracer Funktion. Eine L-Schiene mit Arca-Swiss Profil erleichtert den Wechsel zwischen Hoch- und Querformat. Eine Fernbedienung mit einprogrammierbaren Belichtungszeiten ermöglicht das berührungfreie Öffnen und Schließen des Verschlusses im B-Modus. Ein gutes Vergrößerungsobjektv an einer Makroschnecke ist bestens für Sternaufnahmen geeignet. Viel mehr braucht man nicht, um bei längeren Belichtungszeiten Sternspuren in der Astrofotografie zu vermeiden. Auf einen externen Startracker kann man verzichten.

WISE / NEOWISE Mission

WISE wurde im Dezember 2009 in eine 525 km hohe Umlaufbahn gebracht, um verschiedene Aufgaben wahrzunehmen. Unter anderem sollte WISE Asteroiden mit mehr als 3 km Durchmesser im Hauptgürtel suchen, der sich in einer Umlaufbahn um die Sonne zwischen den Planeten Mars und Jupiter befindet. Weiterhin standen Kometen, extrem weit entfernte Galaxien, erkaltete Sterne und generell Objekte, die von Teleskopen auf der Erde nur sehr schwer wahrzunehmen waren, auf der Fahndungsliste.

WISE schloss seine erste komplette Musterung des Himmels im Juli 2010 ab. Es begann eine zweite Durchmusterung, die NEOWISE genannt wurde. Als etwa die Hälfte abgeschlossen war, gab die NASA bekannt, dass der Wasserstoff zur Kühlung eines Sensors verdampft war, dessen Temperatur möglichst nahe beim absoluten Nullpunkt -273° C liegen sollte, um Rauschen zu vermeiden und äußerst schwache Infrarotquellen, gut aufzeichnen zu können. Durch die aktive Kühlung wurden -266 °C erreicht. Durch den Anstieg (!) der Temperatur des Sensors auf über -200 °C nach dem Verbrauch des Kühlmittels wurde WISE Anfang 2011 stillgelegt.

2013 reaktivierte die NASA ihn wieder, um erdnahe Asteroiden aufzuspüren. Zwei Sensoren von WISE kommen nämlich ohne die Kühlung durch gefrorenen Wasserstoff aus. Sie konnten weiterhin zum Aufspüren von Asteroiden und Kometen verwendet werden.

DxO PhotoLab

Konvertierung der RAW-Dateien mit DxO PhotoLab 3



DxO PhotoLab 3 eignet sich zum Konvertieren der RAW Dateien von Astrofotos. Die richtigen Einstellungen muss man allerdings erst herausfinden.



DxO PhotoLab 3 enthält ein gutes Werkzeug zum Verringern des Rauschens. Oft ist die +Prime Funktion die bessere Wahl, doch überraschenderweise betont oder erzeugt sie bei Sternenfotos grelle farbige Kanten an den runden Sternscheibchen. Darüber hinaus enstehen darin sogar Artefakte. Allerdings sieht man sie erst beim starken Hineinzoomen in das Bild. Die Option HQ (Schnell) ist deshalb vorzuziehen.

Astrofotos stacken

Mit dem Progamm DeekSkyStacker 4.1.1. (kostenlos im Internet) werden die Fotos einer Aufnahmeserie verrechnet, um ein verbessertes Bild zu erhalten. Der Versatz der Fotos durch die Sternbewegung bei feststehender Kamera wird automatisch beim Übereinanderlegen der Fotos korrigiert.

Der DeepSkyStacker kann auch RAW Dateien verarbeiten. Das wird von manchen Astrofotografen sogar empfohlen. Jedoch gelingen beim Verarbeiten der Fotos vom Kometen Neowise bessere Ergebnisse mit den Bilderserien, die zunächst mit DxO PhotoLab 3 bearbeitet und zu Tif-Dateien mit 16 Bit pro Kanal konvertiert werden.



In unteren Fenster sind die gewählten Dateien aufgelistet. Sie werden am besten per Drag and Drop aus einem Bildverwaltungsprogramm in das Fenster darüber gezogen.

Neben den eigentlichen Astrofotos sollten auch einige Darkframes einbezogen werden. Um sie zu erzeugen, wird der lichtdichte Deckel auf das Objektiv gesetzt, damit kein Licht von außen auf den Sensor fällt. Man belichtet mit gleicher ISO Einstellung und Belichtungszeit wie für die Sternaufnahmen. Anhand solcher Bilder erkennt das Stackingprogramm das Rauschen vom Sensor und kann es beim Verrechnen aller Bilder weitgehend beseitigen.



Der Befehl 'Ausgewählte Bilder registrieren' führt zu eine Analyse der Fotos mit anschließendem Stackvorgang. Es ist nicht nötig, zusätzlich auf 'Ausgewählte Bilder stacken' zu klicken. Man sieht an den Bildrändern, dass sie nicht von allen Einezlfotos bedient werden, weil sich der Bildausschnitt bei feststehender Kamera durch die scheinbare Bewegung der Sterne von Bild zu Bild etwas verändert.

Tonwertkorrekturen und Beschnitt



In einem Bildbearbeitungsprogramm werden die Ränder abgeschnitten. Anschließend sind die Tonwerte zu korrigieren. Das ist nicht einfach und sollte kanalweise erfolgen. Es ist hilfreich, mit Ebenen arbeiten zu können.

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